Unsere Tanzbuchempfehlung

Jahr: 2004

VORWORT der Autoren

 

Gerne möchte jeder gekonnt über das Parkett gleiten, nicht auf jede Musik die gleichen Schritte tanzen müssen und an seiner Seite einen Partner haben, der einem nicht ständig auf die Füße tritt. Gutes Tanzen birgt große Chancen beim anderen Geschlecht und ist Wellness für die eigene Seele. Wer tanzt, der bewegt sich, der stärkt seine Rückenmuskeln gegen die Volksseuche des Dauersitzens an Steuer und Computer und drückt seine Gefühle körperlich aus, kommuniziert, lebt und lacht mit Gleichgesinnten. Wo Musik spielt und sich Paare dem Genuss des Tanzens hingeben, herrschen Ausgelassenheit und Freude, kommen keine Depressionen auf, wird nicht süchtig gegessen, geraucht, sich gelangweilt oder ferngesehen. Wer tanzt, hat Freunde, wer gut tanzt, hat viele Freunde. Wer die offiziellen fünf Standard- und fünf Lateintänze beherrscht, verfügt über einen beträchtlichen Schatz an variationsreichen Tanzschritten, tritt überall sicher auf und macht auf jeder Tanzfläche eine gute Figur. Unser Buch soll allen Tanzfreunden, die Spaß an abwechslungsreichen Tanzbewegungen haben und die zehn klassischen Turniertanze auf fortgeschrittenem Niveau kennen lernen möchten, als Nachschlagewerk und Lernhilfe zur Seite stehen.

 

Tanzen, d.h. die Lust, sich nach Musik rhythmisch zu bewegen, ist eine der ursprünglichsten Bedürfnisse des Menschen. Seitdem es Musik gab, zog diese auch die Tänzer in ihren Bann und entlockte ihnen die fantasievollsten Bewegungen und Ausdrucksformen. Aus der Geschichte der Menschheit heraus entstanden zuerst die Rhythmen und die neuen Musikformen, woraus sich später frühe Tänze entwickelten und weiterentwickelten. Sehr häufig war Tanzen ein Ventil für starke Emotionen wie bei den Sklaventänzen der afrikanischen Nord- und Mittelamerikaner, und wurde zum Mittel, um Not und Unterdrückung auszudrücken und auszugleichen. Über Schamanentänze und religiöse Kulttänze entwickelte sich im Laufe der Evolution ein großes Spektrum an unterschiedlichen Tanzformen. Es entstanden Tänze, die alleine, paarweise, in kleinen und großen Gruppen getanzt wurden, rituelle Tänze, Volkstänze, Bühnentänze und Gesellschaftstänze.

 

Wenn man von Gesellschaftstänzen spricht, meint man im Allgemeinen jene Tanzformen, die der gesellschaftlichen Unterhaltung dienen, die von zwei oder mehreren Personen gemeinschaftlich getanzt werden. Im Speziellen meint man damit die Standardtänze, die Lateintänze (auch Lateinamerikanische Tänze genannt) und die Modetänze. Zu den so genannten Standardtänzen zählen Langsamer Walzer, Wiener Walzer, Tango, Slowfox (Marschfox) und der Quickstep (Foxtrott). Als Lateintänze werden Samba, Rumba, Cha-Cha-Cha, Paso Doble und Jive bezeichnet. Unter dem Begriff Modetänze versteht man Hunderte von Tänzen, die durch eine Modemusik oft nur kurzzeitig beliebt waren. Dazu gehören sowohl Dauerbrenner wie Rock'n'-Roll, Mambo/Salsa, Tango Argentino, Discofox/Hustle als auch kurzzeitige Moderenner wie Charleston, Polka, Blues, Swing, Hully Gully, Letkis, Night Fever, Ententanz, Macarena und HipHop. Die Gruppenzugehörigkeit der Tänze ergibt sich teilweise aus ihrer Herkunft, aber auch aus der in dieser Gruppe üblichen Tanzhaltungen. Standardtänze werden in Tanzhaltung mit Körperkontakt, Lateintänze in Tanzhaltung ohne Körperkontakt getanzt. Bei den Modetänzen gibt es keine einheitliche Tanzhaltung, denn diese Tänze sind spontan aus einer Musikwelle, aus ihrer Zeit heraus entstanden und haben keine einheitlichen Regeln.

 

Die Standardtänze sind seit Jahrzehnten für Paare aller Altersgruppen ein beliebtes gemeinsames Vergnügen, Ausdruck von Lebensfreude und eine attraktive Form der gesellschaftlich akzeptierten Annäherung. Die körpernahe Tanzhaltung gibt den Tänzern Gelegenheit, für die individuelle tänzerische Interpretation des Partners sensibel zu werden, gemeinsame Freude an Musik und Bewegung zu entwickeln und vielleicht sogar eine knisternde Atmosphäre zu genießen. Durch ihre Eleganz, ihre musikalische Vielseitigkeit und ihren verbindenden Charakter sind die Standardtänze Gesellschaftstänze im eigentlichen Sinn und nehmen einen festen Platz im gesellschaftlichen Leben ein, wie z. B. bei Hochzeiten und Bällen. Die Grundformen dieser Tänze sind unkompliziert und leicht zu erlernen, denn die Musik wird als vertraut empfunden und die Grundschritte entsprechen weitgehend unseren natürlichen Gehbewegungen. Die Standardtänze stellen, im Vergleich zu den Lateintänzen, keine extremen Anforderungen an die körperliche Fitness der Tänzer. Sobald sie jedoch in Wettbewerbsform getanzt werden, sind sie wie alle Turniertänze anstrengend und wirklicher Leistungssport.

 

Die Lateintänze erfreuen sich in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit, vor allem bei jungen Leuten, da diese Tänze lebhaft, fröhlich, ausdrucksstark und in Tanzhaltung, Tanzrichtung und Choreographie freier gestaltet sind als die Standardtänze. Für sie benötigt man weniger Platz, und man kann sich trotzdem stärker "austanzen". Die lateinamerikanischen Tänze sind aufregend erotisch, sie beteiligen den ganzen Körper und drücken Liebe, Hass und Lebensfreude aus. Sie sind unserem unterschwelligen europäischen Temperament etwas fremd, daher technisch schwieriger, aber wegen ihrer temperamentvollen Rhythmik heiß begehrt.

Viele Tänzer sind aber unsicher, wie sie die lateinamerikanische Musik interpretieren sollen, sie wissen wenig über Herkunft, Charakter und Figurenreichtum der Tänze.

 

Dieses Buch richtet sich an die große Zahl der Freizeittänzer und Breitensportler, die das Tanzenlernen zu ihrem gemeinsamen Hobby erklärt und bereits einen oder mehrere Tanzkurse absolviert haben, vielleicht sogar Mitglieder in Tanzkreisen oder Tanzclubs sind. Ihnen wollen wir helfen, sich der erlernten Figuren und Elemente zu erinnern, selbst weiterzuüben und eigene Figurenfolgen zusammenzustellen. Die Auswahl der Tanzfiguren wurde so getroffen, dass sie sowohl für das Deutsche Tanzabzeichen des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes (ADTV) als auch für das Tanzsportabzeichen des Deutschen Tanzsportverbandes (DTV) eine Grundlage bilden können.

 

Die theoretische Darstellung von Tanzfiguren wird jedoch keineswegs den Tanzunterricht durch ausgebildete Lehrkräfte und die Tanzpraxis ersetzen können; denn vor allem durch Übung entstehen Selbstsicherheit, Lässigkeit und Eleganz der Bewegung. Erst dann kann man seinen Tanzpartner und das gemeinsame Interpretieren der Musik richtig genießen.

 

Herzlicher Dank geht an die beiden Demonstrationspaare Nina Eggert und Peter Bolbrinter, Anja Schöberl und Henning Schlicht und den Münchner Fotografen Ulli Seer, die zum Gelingen der tanztechnischen Fotos beigetragen haben. Besonderer Dank gilt auch den Turnierpaaren, den Tanzschulen und Fotostudios, die freundlicherweise Schmuckfotos zur Verfügung gestellt haben.

 

Gertrude Krombholz

Astrid Haase-Türk

 

 

 

 

 

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